In der Nähe des Hüllochs

In der Nähe des Hüllochs

Sicherlich ist Anny Wienbruch heute nur den älteren Kierspern noch bekannt.

Sie war jahrelang Lehrerin an der Pestalozzischule. Das war in der Zeit als die Schule noch an der ”Kölnerstrasse” war (heute D&R) und diese als Adolf-Hitler Strasse bis durchs Dorf ging. (Aus dieser Zeit stammt übrigends noch die Einteilung der Hausnummern. Von Bender und Wirth bis Wildenkuhlen waren die Nummern 1 – 99, ab 100 beginnt dann auch heute noch die Friedrich Ebert Strasse.)

Nach dem Eintrag meines gestrigen Beitrages fiel mir ein, dass das Hülloch eine enge Verbindung zu Anny Wienbruch hat.  Wüßten wir heute Geschichten dazu? Wüßten wir noch wo der Eingang war? Viele wissen es noch, denn wenn an der Pestalozzischule Wandertag war ging man zum Hülloch natürlich mit Anny Wienbruch. Und es gibt kaum einen Bahnhöfer, der nicht bei Ihr Unterricht hatte.

Bekannt wurde Anny Wienbruch aber auch wegen Ihrer zahlreichen Bücher. Und das Besondere an ihren Büchern war, dass in den Geschichten die Kinder aus Ihrer Klasse vorkamen und manchmal auch das ein oder andere Tier der Kinder. Durch Anny Wienbruch gibt es noch viele alte Klassenfotos, Fotos vorm Hülloch und Fotos vom Schwimmen im Schnörrenbachteich, die Sie sebst aufgenommen hat, oder durch den Fotografen William Hellmund. Hier eins Ihrer Fotos an der Pestalozzischule:a118j2.jpg

Mit zwei Gedichten aus einem Ihrer Bücher beende ich meinen heutigen Eintrag im Tagebuch:

Märchenstunde

Alle Plappermäulchen sind verstummt,

nur die dicke, blaue Fliege summt

leise an den sonnbestrahlten Fensterscheiben.

Und vergessen ist das Ziffermalen,

alle krummen, alle graden Zahlen,

fern entschwunden alles böse Lesen, Schreiben.

Große Kinderaugen bange fragen:

Blieb Rotkäppchen in des Wolfes Magen?

Ach, ein Seufzer zittert schmerzlich in der Runde.

Und mir ist, als klänge durch das Lauschen

Ein geheimnisvolles Flügelrauschen,

Märchen grüßt der fünften Klasse Märchenstunde.

                                                Anny Wienbruch

  anny_wienbruch13.jpg  

Ballspielen

Ein bunter Ball fliegt durch die Luft,

schau, Kinderhände suchen ihn zu fangen.

In Kinderherzen brennt nur ein Verlangen,

aus Kinderaugen eine Frage ruft:

„Wird` ich ihn haschen? Werd` ich ihn erringen?

Wird er mich endlich auch einmal erreichen?

Gilt er nun mir? Muß ich den Größ`ren weichen?

Ach, wird es mir denn nimmermehr gelingen? –

Doch kaum gefasst, muß er aufs neu entgleiten.

Die kleine Hand wirft selber ihn zurück.

Du lächelst? – Ach, ist so nicht auch Dein Glück?

Sorgst, mühst und kämpfst nicht auch Du um Nichtigkeiten?

Ein bunter Ball fliegt durch die blaue Luft – - -

                                                Anny Wienbruch

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